DER, dessen Kommen wir feiern, setzt einzig und allein auf Gottes Zuwendung, auf neues Leben, neue Entfaltungsmöglichkeiten, auch und gerade durch uns

Respektlosigkeit, Gewaltbereitschaft, rechtes Gedankengut, Antisemitismus, Falschmeldungen, anonyme Beschimpfungen und Beleidigungen im Internet, uam…. sind erschreckend angestiegen. Viele bleiben anonym. Offenbar sind immer mehr Menschen bereit, andere nieder zu machen, zu beschimpfen, zu verleumden und ihnen Gewalt anzutun. Rettungsgassen werden nicht frei gemacht, Helfer müssen im schlimmsten Fall um ihr Leben fürchten uvm… Ja wo sind wir denn? Tickt es bei einigen noch richtig, fragen mit Recht etliche. Sehen verschiedene nur sich selbst, ihren eigenen Vorteil, um deren willen sie sich gewaltsam Freiraum verschaffen.

Soziales Verhalten, Mitgefühl, Rücksichtnahme, Empathie, Wohlwollen, Wert, Würde, Respekt… sind für einige Fremdworte.

Und da feiern wir Weihnachten? Jesu Geburt, Jesu Menschwerdung, ein neuer Impuls, ein neues Denken, das in die Welt kommen soll. Es drängt sich unweigerlich der Eindruck auf, wenn wir unsere Zeitgeschehnisse betrachten, wir würden wieder ins Mittelalter zurück fallen. Wir singen von Frieden- und führen Krieg (im großen und im Kleinen), wir preisen die Menschlichkeit und gehen hartherzig und stellenweise unmenschlich miteinander um, wir loben den Gott in der Höhe, der sich uns in Jesus zugeneigt hat und handeln und leben so, als gäbe es Gott nicht.

Was feiern wir denn da? Ein paar Tage frei? Gutes Essen und Trinken.
Einige machen über die Feiertage einen auf Friede Freude Eierkuchen und leben nach Weihnachten so, als hätte es dieses Fest nicht gegeben.

Weihnachten ist kein heimeliges, süßliches Fest, so sehr auch Gottes Kindschaft im Mittelpunkt steht. Weihnachten ist eine Herausforderung, ein Weckruf Gottes an uns, unsere Verantwortlichkeiten füreinander, für ein friedliches Miteinander der Menschen, ein Klima und eine Verantwortung für die Schöpfung zu leben und wahrzunehmen. Weihnachten ist nichts für Faule, Desinteressierte oder solche, denen alles egal ist. Weihnachten ist das Fest der Maßgaben Gottes.

Gott wird in Jesus Mensch und fordert unsere ganze Menschlichkeit ein, das, was uns zu Menschen und nicht zu Unmenschen macht. Was uns nachdenken lässt, uns reflektieren, also unterscheiden lässt, was uns verantwortlich entscheiden lässt, was uns als soziale Wesen ausweist und uns Rücksicht lehrt, Respekt voreinander, Achtung und Würde. Soziale Wesen, die immer wieder lernen einander gerecht zu begegnen, friedlich miteinander umzugehen und im Angesicht des Nächsten, ganz gleich wie das aussieht, ob braun, schwarz, weiß, rot oder gelb, Gottes Ebenbild zu erkennen.

Gottes Menschwerdung in Jesus ist kein Zuckerschlecken, keine sentimentale Gabe, sondern eine Aufgabe an uns, unsere Menschlichkeit unsere Menschwerdung immer neu lebendig werden zu lassen. Das heißt nicht, dass wir alles schon erreicht hätten, nein. Aber wir sind herausgefordert  auf dem Weg zu bleiben und lassen uns immer wieder herausrufen Gottes Maßgaben umzusetzen.

Leonhard Cohen singt in einem seiner Lieder: „Alles hat irgendwo einen Riss, aber genau das ist der Spalt, durch den das Licht einfällt.“  Unser Leben ist nicht vollkommen, ganz und gar nicht. Aber wir als Christen sind aufgefordert unsere Risse und Brüche fruchtbar und lichtvoll einzubauen, in die Herausforderungen unseres Lebens.

Dann kann selbst in dem, was uns nicht gelingt, etwas von dem durchscheinen, was wir wollten bzw. wie es sein sollte.

Wir müssen uns ins Gedächtnis rufen:
Gott wurde in Jesus von etlichen Menschen damals abgelehnt.
Er kam abseits zur Welt, in ärmlichsten Verhältnissen.
Er musste fliehen und konnte erst später in seine Heimat zurückkehren.
Alles andere als ein glänzender Start vielmehr von Anfang an ein Leben mit vielen negativen Herausforderungen.
Und das zog sich durch sein ganzes Leben! Vorwürfe, Beleidigungen, Ablehnung, Steine, die aufgehoben wurden, Verrat, Hinrichtung, Tod.
Das klingt ganz aktuell, als wäre es heute erst geschrieben, auch wenn es schon 2000 Jahre alt ist.

Und wie viele Menschen teilen aktuell das gleiche Schicksal?
Da ist es gut den „Immanuel“, den Gott mit uns, zu kennen, der die Menschen versteht, weil er dies am eigenen Leib erfahren hat. Das soll aber für uns keine Entschuldigung oder Entlastung sein, denn wir sind als Christen gerufen Gottes Wirklichkeit in unserer Zeit erfahrbar zu machen.

Gottes Handeln, Christi Geburt hat uns nicht bloß ein niedliches Kindlein gebracht, sondern einen zu äußerster Gottes- und Nächstenliebe entschlossenen Menschen. Christi Geburt hat uns nicht nur ein kuscheliges Familienfest gebracht, sondern Gottes entschiedenes und streitbares Ja zum Menschsein, zur Menschenwürde und zu Lebenschancen für alle. Christi Geburt  hat uns nicht einen tollen Geschenketag gebracht, so sehr Gaben auch Wertschätzung unterstreichen. Christi Geburt macht uns auf das Wichtigste im Menschenleben  aufmerksam: auf das Geschenk der Liebe. Christi Geburt feiern wir nicht für die Kirche, die in diesen Tagen auch nicht strotzt vor Glanz, sondern eher verschmutzt ist, gezeichnet von Missbrauch in allen Schattierungen. Christi Geburt feiern wir für die Menschen, deren Würde bisher in den Dreck gezogen wurde. Christi Geburt feiern wir in diesen Tagen als klares Ausrufezeichen, als Anspruch und Kennzeichen von uns Christen, besonders aufmerksam zu sein für Gottes Zuwendung zu allen Menschen.

Zugegeben, so ein Weihnachtsfest ist anstrengender als ein heimeliges Fest. Denn DER, dessen Kommen wir feiern, setzt einzig und allein auf Gottes Zuwendung, auf neues Leben, neue Entfaltungsmöglichkeiten, auch und gerade durch uns.

Wenn das alles zu Christi Geburt gehört, müssen wir ernsthaft fragen: hat das Fest Folgewirkungen? Ziehen wir daraus Konsequenzen? Oder ist Weihnachten nur ein Randthema, das kurz gestreift wird?

Was bringt uns Weihnachten? Das erste Weihnachten hat uns ein Kind gebracht: mit Namen Jesus = Gott rettet! Und Jesus hat diesem Namen alle Ehre gemacht. Er hat die Menschen eingeladen, diese Nachricht vom rettenden Gott, von seiner Zuwendung, seinem Frieden, seiner Sicht und Bedeutung jedes Menschen, seiner Gerechtigkeit allen zu vermitteln. Ob er auf uns zählen kann? Ob unser Leben auch etwas widerspiegelt von dem Gott, der rettet?

Lothar Zenetti hat in einem längeren Gedicht über ungewöhnliche Weihnachtsgedanken folgende Passage geschrieben:
„… Wo glaubt ihr, hat Jesus geholfen?
Wohin hat er sich denn gestellt?
Seht her auf die Straßen da draußen,
zu Menschen, ums Leben geprellt,
da wo man die Rechtlosen bindet,
die Hilflosen in dieser Welt.
Nein, nicht vor die Institutionen,
er hat sich vor Menschen gestellt! …“

„Wo Menschen einander in Würde begegnen, im Gesicht des anderen Gottes Ebenbild erkennen, wo Menschen sich um Frieden bemühen, im eigenen Herzen und mit anderen, wo Menschen einander Wohlwollen schenken, Liebe und Achtung, wo Menschen einander zu Menschen werden, dort nimmt Christus Gestalt an, wird er geboren, dort ist Weihnachten.“ (RK)

Ihnen allen ein von Gottes Sicht und der Bedeutung jedes Menschen geprägtes Weihnachtsfest.

Amen

(Predigt in der Christmette 2019 von Pfarrer Pater Rüdiger Kiefer SAC)

 

 


 

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