Feier der Christmette in Vallendar, St. Marzellinus und Petrus (Foto: Brehm)

Feier der Christmette in Vallendar, St. Marzellinus und Petrus (Foto: Brehm)

„Weihnachten ist Gottes Friedensangebot an uns Menschen“

Unter dem Motto „Suche Frieden!“ fand der diesjährige Katholikentag in Münster statt. Dort sprach am 12.5. der indische Jesuit Sebastian Painadath zum Thema „Frieden stiften:

Er gab den Christen für ihren Friedensdienst drei Ratschläge mit auf den Weg:

  1. Christen sollen sich auszeichnen durch eine empfangende und zulassende Haltung (denn Friede ist nicht machbar als Menschenwerk, sondern als Ausfluss einer Haltung, die Maß nimmt an der Quelle des Friedens: Gott selbst);
  2. Christen sollten immer bei sich selbst beginnen (denn nur aus kleinen lokalen Anfängen wächst der große globale Friede);
  3. Christen sollen daran erkannt werden, dass sie alle Menschen respektieren, besonders die am Rande (denn wo die Armen vernachlässigt werden, kann es keinen Frieden geben).

Weihnachten will mit der Quelle des Friedens in Berührung bringen – mit Gott selbst

Weihnachten, das Geschenk der Menschwerdung Gottes im Kind von Bethlehem, will uns genau damit in Berührung bringen, mit der Quelle des Friedens, die Gott heißt, mit den kleinen Anfängen, die bei uns beginnen und mit der Anerkennung der Würde jedes Menschen.

Weihnachten ist Herausforderung zu einer Haltung, die Maß nimmt an der bedingungslosen Zusage Gottes, dass er unser Dasein schätzt, dass er gelingendes Leben will, Friede auf allen Ebenen. Und das ist mehr als ein Schweigen der Waffen. Friede im Sinne des hebräischen Shalom meint eine ganzmenschheitliche Ausrichtung, eine Zufriedenheit von innen her, ein Übereinstimmen von Innen und Außen, eine Herzensruhe, die von keiner Herausforderung des Lebens aus dem Takt geworfen wird. Friede ist die Zusage Gottes, dass er uns eine Zukunft schenkt, die größer ist als unsere Sinne es wahrnehmen und unser Denken und unsere Vorstellungen reichen.

Friede, eine uralte Menschheitssehnsucht, mit Weihnachten schon immer verbunden, weil die Verheißung des Friedens mit Gott zu tun hat und uns immer wieder in die Hand gelegt wird. Aber ihn umzusetzen und Wirklichkeit werden zu lassen, das scheitert oft an unser kleinen Sicht, an dem Blick der Ichsucht, an Machtstreben und fehlgeleitenden Interessen. Wenn wir auf unsere Welt schauen, dann ist die Realisierung des Friedens so aktuell wie vor 2000 Jahren.

Weihnachten 2018 (Foto: Brehm)

Weihnachten 2018 (Foto: Brehm)

Fieden – Menschen begegnen einander menschlich

Friede wird dort Wirklichkeit, wo Menschen einander menschlich begegnen. Franz Kamphaus, der Limburger Altbischof, hat es einmal die Weihnachtsbotschaft auf den Punkt gebracht, wenn er formulierte: Mach es wie Gott, werde Mensch!

Gott hat nichts davon, dass er Mensch wird. Ihn treibt seine Zuwendung zu uns. Wir sind die großen Gewinner, wir haben etwas davon, dass Gott unserem Leben Bedeutung, Zukunft, Friede, Heil und Vollendung schenkt. Bedingungslos schenkt uns Gott dies, aus reiner Liebe.

Aber, so dürfen, ja müssen wir fragen, ist es richtig, diese Zuwendung mit Ablehnung zu beantworten. Ist es richtig, Lieblosigkeit, Hass und Neid zu sähen, Unfriede zu stiften, Verbrechen, Terror, Unterdrückung, Lüge und Betrug sich hinzugeben, aus Ichsucht, kaltem Kalkül, um Angst und Schrecken zu verbreiten und fehlgeleitete Ideologien zu pflegen?

Jeder Mensch hat allein deshalb, weil er Mensch ist, eine unantastbare Würde

„Vor 30 Jahren steckte in Schwandorf ein stadtbekannter Neonazi aus rassistischen Gründen ein Haus in Brand, in dem Menschen anderer Kultur und Hautfarbe wohnten. Durch den Brandanschlag verloren vier Menschen ihr Leben. Als der Täter 2001 aus dem Gefängnis freikam, wurde er von der rechten Szene als Märtyrer gefeiert. Indem sie ihn als Held feierten, haben sie mehr als deutlich gemacht, dass für sie Würde, Menschlichkeit, Respekt, Achtung, Friede, Solidarität uvm nicht zählen, sondern sie all dies mit Füßen treten.

Weihnachten ist Gottes Friedensangebot an uns Menschen. - Es geht gerade darum, sich zu vergewissern, dass jeder Mensch allein deshalb, weil er Mensch ist, eine unantastbare Würde besitzt.

Weihnachten erinnert uns auch daran, dass Gott auch in den Menschen gegenwärtig ist, denen ihr Wert von anderen abgesprochen wird. Wer einen Türken, Deutschen, Araber, Juden, Christen, Muslim als Mensch ablehnt, lehnt Gott als Gott der Menschen ab. Für ihn ist Gott niemals Mensch geworden und darum gibt es für ihn auch keinen Grund, Weihnachten zu feiern,“ (nach Klaus Metzger-Beck) freie Tage zu genießen und sich auf der Überzeugung anderer auszuruhen. Wer nicht wenigstens den Aspekt der Menschlichkeit an Weihnachten teilt und sich darum bemüht,  an dem geht die Herausforderung des Weihnachtsfestes vorbei und er hat nicht verdient deswegen frei zu machen.

Die etwas andere Weihnachtskrippe (Foto: Brehm)

Die etwas andere Weihnachtskrippe (Foto: Brehm)

Die etwas andere Weihnachtskrippe

Wir haben in diesem Jahr wieder zwei Krippen (in der Pfarrkirche) aufgestellt. Eine traditionelle Krippe, wie wir sie gewohnt sind.

Daneben, auf der anderen Seite, einen leeren Stall. So sieht ein Ort aus, von dem alle Personen entfernt sind, die Fremde sind, enthöhlt und leer. Jesus, Maria und Josef waren Juden, ebenso die Hirten, die Könige kamen von fernen Ländern, Syrien, Afrika, Asien und anderswo, die Soldaten, die Jesus als Kind nach dem Leben trachteten waren Römer und die Hl. Familie war eine Zeit lang Flüchtlingsfamilie in Ägypten. Das müssen wir uns wieder bewusst machen. Also keine heile Welt, keine anderen Zustände als heute. Da steckt reichlich Stoff zum Nachdenken drin.

Gottes Menschwerdung konsequent zu Ende denken

Ein nicht bevölkerter Ort verfällt und wird bestenfalls zur Ruine. Unsere Welt, die an Menschlichkeit abgenommen hat, steuert auf einen leeren und verlassenen Ort zu, wenn wir Christen nicht gegensteuern und den unmenschlichen Kräften das Handwerk legen indem wir sachlich und beharrlich uns einbringen. Gottes Menschwerdung, sein Kommen muss in seinen Konsequenzen zu Ende gedacht werden und ist mehr als nur ein Nebeneffekt, sondern Herausforderung uns Menschlich zu engagieren und einzubringen in das Geschehen dieser Welt.

Verständnis zu zeigen, sachlich zu bleiben, Werte geltend zu machen, dem Miteinander ein Gesicht geben, der Wahrheit verpflichtet sein, ausgewogen zu urteilen, Chancen zu sehen, nicht nur Probleme; Angst nicht zum alles bestimmenden Maßstab werden zu lassen, die vielen Kleinigkeiten wahrnehmen, die die Welt verändern sich aber unseren Blicken entziehen.

Krippe in der Pfarrkirche in Vallendar (Foto: Brehm)

Krippe in der Pfarrkirche in Vallendar (Foto: Brehm)

Eine Weihnachts-Geschichte von der Schachtel volle Küsse

Vielleicht kann uns jene Geschichte helfen, das Geheimnis von Weihnachten besser zu verstehen:

Die Geschichte beginnt vor langer Zeit, als ein Mann seine 5 jährige Tochter dafür bestraft, dass sie einen wertvollen Gegenstand verloren hat. Damals hatten sie nicht viel Geld.

Es war gerade Weihnachten. Und am nächsten Tag brachte das Kind seinem Vater ein Geschenk mit den Worten: “Das ist für dich!“ Der Vater war zuerst sehr verlegen, doch dann ärgerte er sich sehr, als er sah, dass nichts in der Schachtel war.

Er sprach in hartem Ton: „Weißt du denn nicht, dass wenn man schon ein Geschenk macht, auch etwas drin sein muss?“

Das Mädchen schaute ihn von unten mit Tränen in den Augen an und sprach: Es ist etwas drin! Die Schachtel ist voll mit meinen Küssen für dich!“

Der Vater fühlt sich beschämt, geht in die Knie, umarmt sein Kind und bittet es um Verzeihung.

Von nun an bewahrte der Vater die Schachtel immer neben seinem Bett auf und immer, wenn es ihm mal nicht so gut ging oder er es brauchte, dann öffnete er die Schachtel und nahm einen Kuss heraus.

Viele Dinge, die durchaus bedeutsam sind für unser Leben, sind nicht sichtbar.

Weihnachten ist die Zusage Gottes, dass er uns die Schachtel seiner Zuwendung geschenkt hat, die Schachtel unseres Menschseins, die Schachtel, die uns aufmuntert, die Schachtel, die uns Hoffnung macht, die Schachtel des Vertrauens, dass uns Leben blüht, die Schachtel seiner Begleitung, die Schachtel seines Friedens, seiner Kraft, seiner Zuversicht, seiner Gerechtigkeit, die Schachtel unserer geschenkten Würde und Bedeutung….

Ich wünsche Ihnen allen die Schachtel Gottes, die uns kraftvoll und zuversichtlich leben lässt.

Pater Rüdiger Kiefer SAC

 

Weihnachten 2018 (Foto: Brehm)

Weihnachten 2018 (Foto: Brehm)

 


 

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