Impuls

Wort in die Woche

von Dirk Mettler
Diakon

Von Ersten und Letzten

Liebe Schwestern und Brüder,

Hand aufs Herz: Würden Sie sich gerecht behandelt fühlen, wenn Sie einen ganzen Tag geschuftet hätten und dafür den gleichen Lohn erhielten wie jemand, der gerade mal eine Stunde dabei war? Nein, als Vorlage für Tarifverhandlungen taugt das Evangelium von den Arbeitern im Weinberg nicht. Darum geht es aber auch nicht, wie die Einleitung deutlich macht, derzufolge es sich um ein Himmelreich-Gleichnis handelt.

Jesus klärt darüber auf, wie Gott tickt, und stellt dabei wieder einmal unser gewohntes Denken auf den Kopf. Gott teilt seine Güte nicht nach menschlichen Maßstäben zu. Niemand, und sei er noch so fromm, soll sich über andere erheben, die von Zweifeln geplagt sind und nur schwer zum Glauben finden.
Ich unterstelle mal, dass die überwiegende Mehrzahl der Gemeindebrief-Leser sich zumindest „auf einem guten Weg“ wähnt. Aber selbst wenn wir unser ganzes bisheriges Leben im Glauben zurückgelegt haben und zu den regelmäßigsten Kirchgängern gehören, gilt auch für uns: Wir werden denen, die im letzten Augenblick auf den fahrenden Zug aufspringen, nichts voraushaben.

Einen weiteren Aspekt an dem Gleichnis finde ich sehr tröstlich und ermutigend: Der Gutsherr – der hier stellvertretend für Gott steht – gibt einfach nicht auf. Immer wieder geht er hinaus, um Ausschau nach weiteren Arbeitern für seinen Weinberg zu halten. Nicht nur früh am Morgen, auch in der dritten, sechsten und neunten Stunde sucht er sie. Selbst kurz vor Feierabend, wo jeder normale Arbeitgeber denken würde „Das lohnt sich nicht mehr!“ wirbt er noch Arbeiter an.

Wir dürfen also auf einen Gott vertrauen, der immer weiter um uns wirbt. Wann schlägt unsere Weinberg-Stunde?

Dirk Mettler
Diakon

Traubenlese im goldenen Abendlicht (KI-generiert)

Traubenlese im goldenen Abendlicht (Foto: Brehm - KI-generiert)

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