Impuls
Wort in die Woche
von
Andreas Barzen
Gemeindereferent
Was bleibt nach der Erstkommunion?
Jedes Jahr nach der Erstkommunion werde ich gefragt: „Und? Wo sind sie jetzt – die Kinder, die Familien? Lohnt sich der ganze Aufwand überhaupt?“
Ich gebe zu: Diese Frage trifft mich. Und ich frage zurück – manchmal nur innerlich: Was erwarten wir eigentlich? Dass nach einem halben Jahr Vorbereitung plötzlich alle jeden Sonntag in der Kirche sitzen? Dass Glaube einfach „funktioniert“, wenn man nur genug investiert?
Die Wirklichkeit vieler Familien sieht heute anders aus. Der Alltag ist voll, der Druck hoch, gemeinsame Zeit oft knapp. Dass Familien sich überhaupt auf den Weg mit der Kirche machen, ist alles andere als selbstverständlich. Die Rückmeldungen nach der Erstkommunion sind deshalb oft sehr ehrlich: „Es war eine schöne Zeit – aber jetzt ist es auch erst mal wieder genug.“
Ich kann das gut verstehen. Und ich kann es stehen lassen. Nicht nur als Seelsorger, sondern auch als Vater. Ich weiß, was es bedeutet, Familie, Schule, Freizeit und die eigenen Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen. Und ich bin überzeugt: Jesus hätte dafür Verständnis gehabt. Er hat Menschen nicht unter Druck gesetzt, sondern eingeladen. Er ist auf sie zugegangen – offen, zugewandt, ohne Erwartung einer Gegenleistung.
Vielleicht ist genau das unser Auftrag als Kirche:
- einladen – nicht erwarten.
- begleiten – nicht bewerten.
Ich arbeite mit dem Ansatz: „Gott mit neuen Augen sehen.“ Das heißt: Wir suchen gemeinsam nach Spuren Gottes im Alltag – nicht zusätzlich zum Leben, sondern mitten darin. Und wenn Familien im Rückblick sagen: „Es war eine schöne Zeit“, dann ist das für mich kein „zu wenig“. Dann ist das ein Anfang. Denn vielleicht bleibt genau das: eine gute Erfahrung von Gemeinschaft, eine leise Ahnung von Gott im eigenen Leben, ein Gefühl, das trägt – wie ein Samen.
Und Samen gehen auf. Nicht immer sofort. Nicht immer sichtbar. Aber oft genau zur richtigen Zeit.
Andreas Barzen,
Gemeindereferent
Erstkommunion in Vallendar (Fotorechte: nom-fotografie, Koblenz)
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