Impuls

Wort in die Woche

von Josef Pfaffenheuser
Mitglied im Pfarrgemeinderat

Eine Frage der Betonung

Das Vaterunser gehört zu den vertrautesten Gebeten des Christentums. Wir sprechen es in Gottesdiensten, bei Andachten oder ganz persönlich im Alltag. Gerade weil uns seine Worte so vertraut sind, besteht allerdings die Gefahr, dass wir sie manchmal nur noch „herunterbeten“, ohne auf ihre Tiefe zu achten. Dabei kann schon eine kleine Veränderung viel bewirken – durch die Betonung einzelner Wörter.

Betone ich beispielsweise das Wort Vater, wird mir bewusst, dass ich zu einem Gott bete, der mir nahe ist und der mich kennt. Betone ich unser, dann erinnere ich mich daran, dass ich nicht allein glaube, sondern Teil einer großen Gemeinschaft bin.

Ein Wort im Vaterunser betone ich persönlich besonders gern: Dein. „Dein Reich komme. Dein Wille geschehe.“ Und am Ende: „Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.“

Diese kleine Silbe erinnert mich daran, dass sich nicht alles um meine Wünsche, meine Pläne und meine Vorstellungen dreht. Allzu leicht verhalten wir Menschen uns so, als wäre es unser Reich, das wachsen soll, unser Wille, der sich durchsetzen muss, und unsere Kraft, auf die es ankommt. Das Vaterunser lenkt den Blick dagegen immer wieder auf Gott. Es ist sein Reich, das kommen möge. Es ist sein Wille, der geschehen soll. Und ihm allein gebühren Reich, Kraft und Herrlichkeit.

Vielleicht nehmen Sie sich in den kommenden Tagen einmal bewusst Zeit für das Vaterunser. Sprechen Sie es langsam. Betonen Sie einmal dieses, einmal jenes Wort. Hören Sie darauf, welche Gedanken und Gefühle dadurch in Ihnen geweckt werden. Es ist eben auch beim Beten eine Frage der Betonung.

Josef Pfaffenheuser
Pfarrgemeinderat

Vater unser (Foto: Bru-nO, Pixabay)

Vater unser (Foto: Bru-nO, Pixabay)

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