Wort in die Woche
von Andreas Barzen
Gemeindereferent
Für wen hältst du mich?
„Für wen halten die Leute den Menschensohn?“ Jesus fragt seine Jünger. Und dann wird es persönlich: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“
Diese Frage beschäftigt mich. Auch weil sie mir in meinem Arbeitsalltag immer wieder begegnet – wenn auch selten direkt – in den Familiencafés, bei den offenen Familientreffs, in der Kommunion- und Firmvorbereitung und in unseren Kitas. Da sind Fragen. Interesse. Und oft eine Sehnsucht nach etwas, das trägt.
Aber genauso oft höre ich: „Ich weiß es nicht.“ „Ich weiß gar nicht, was ich glauben soll.“ Für mich heißt das nicht: Glaube ist egal. Oft klingt darin eher: Da ist etwas in mir, das sucht. Aber ich weiß noch nicht genau, wonach. Vielleicht ist genau deshalb die Frage Jesu so spannend. Er fragt nicht nach der richtigen Antwort. Er fragt: „Für wen hältst du mich?“
Petrus wagt eine Antwort. Und vielleicht können wir uns in ihm wiederfinden: begeistert, mutig, zweifelnd, manchmal überfordert. Einer, der Jesus nah sein möchte und ihn trotzdem nicht immer versteht.
Und wer ist Jesus für mich?
Mal ist er der Hirte, mal der Begleiter, der Freund, der Gastgeber oder der Tröster. Einer, der sich mit mir freut. Aber auch einer, der mich herausfordert, unbequeme Fragen stellt und mir manchmal einen Spiegel vorhält. Vielleicht ist Jesus nicht immer derselbe für mich, weil ich nicht immer derselbe bin. Was mir heute Halt gibt, kann morgen schon eine andere Bedeutung bekommen. Was mich in einer Krise trägt, muss nicht dasselbe sein wie in einer glücklichen Zeit.
Das ist für mich kein Zeichen eines schwachen Glaubens. Im Gegenteil: Glaube darf sich mit meinem Leben verändern.
Deshalb brauchen Menschen vielleicht nicht immer zuerst Antworten. Sie brauchen Räume, in denen Fragen erlaubt sind. In denen ein „Ich weiß es nicht“ genauso seinen Platz hat wie ein „Ich glaube“.
Denn hinter dem „Ich weiß es nicht“ spüre ich bei vielen Menschen eine Sehnsucht: Ich möchte diesem Jesus näherkommen. Ich möchte herausfinden, wer er für mich sein kann.
Darum ist die Frage Jesu für mich keine Prüfung. Sie ist eine Einladung. Für wen hältst du mich?
Vielleicht nehmen wir diese Frage einfach mit in unseren Alltag: Wer ist Jesus für mich – gerade jetzt? Die Antwort darf ganz einfach sein: „Du bist der, von dem ich hoffe, dass du mit mir gehst – der mich aushällt.“ Oder: „Ich weiß es noch nicht. Aber ich möchte dich besser kennenlernen.“ Auch daraus kann Glaube wachsen.
Andreas Barzen
Gemeindereferent
Fresco (Foto: blickpixel, pixabay)
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