Impuls
Wort in die Woche
von Andreas Barzen
Gemeindereferent
Wenn die frohe Botschaft sich versteckt
Manche Evangelien machen es mir wirklich nicht leicht. Das Evangelium vom kommenden Sonntag gehört definitiv dazu: Ein Weinberg, enttäuschte Erwartungen, Gewalt, Menschen, die getötet werden. Wenn ich diesen Text zum ersten Mal lese, denke ich nicht unbedingt: Was für eine frohe Botschaft! Und ich frage mich: Warum erzählt Jesus solche Geschichten? Warum ist die gute Nachricht manchmal so gut versteckt, dass ich erst auf den zweiten oder dritten Blick etwas davon entdecke? Vielleicht geht es Ihnen ja ähnlich. Wo bitte ist hier der Gott, der Hoffnung schenkt?
Für mich liegt die frohe Botschaft dieses Mal nicht in der Geschichte von Gewalt und Scheitern. Sie liegt in dem, was am Ende trotzdem bleibt: Gott gibt nicht so schnell auf. Der Sohn in dieser Geschichte steht für Jesus. Auch er wird abgelehnt, verletzt und getötet. Aber sein Tod ist nicht das letzte Wort. Gott macht aus dem, was wie das endgültige Scheitern aussieht, einen neuen Anfang.
In meiner Arbeit erlebe ich immer wieder Menschen, die gerade selbst kaum sehen können, was in ihrem Leben noch wachsen kann: eine Familie, die nur noch funktioniert. Ein Mensch, der nach einer Krise den Boden unter den Füßen verloren hat. Jemand, der sich fragt, was er überhaupt noch beitragen kann. Ich versuche dann, gemeinsam mit ihnen nach dem zu suchen, was noch da ist: nach einem kleinen Schritt, einem Hoffnungsschimmer, etwas, das wieder wachsen kann.
Vielleicht ist das genau das Bild, das mir dieses Evangelium schenkt: Gott sieht mehr, als wir gerade sehen können. Jesus spricht von Früchten. Für mich müssen das keine großen Dinge sein. Ein Mensch findet wieder Mut. Zwei Menschen kommen wieder miteinander ins Gespräch. Jemand wagt einen neuen Anfang. Eine Familie entdeckt nach einer schwierigen Zeit wieder etwas Leichtigkeit.
Und dann ist da dieser Stein, den die Bauleute verworfen haben und der zum Eckstein wird – ein Bild, das Matthäus auf Jesus bezieht. Ausgerechnet das, was aussortiert wurde, bekommt eine tragende Bedeutung. Das berührt mich. Denn ich glaube: Bei Gott wird kein Mensch aussortiert. Kein Leben ist zu wenig. Kein Beitrag zu klein.
Vielleicht ist das die frohe Botschaft, die sich in diesem zunächst sperrigen Evangelium versteckt: Gott gibt uns nicht auf. Gott sieht Möglichkeiten, wo wir keine mehr sehen. Und selbst aus dem Kleinen kann etwas Tragendes wachsen. Das macht mir Hoffnung. Und deshalb nehme ich aus diesem Evangelium weniger eine Aufforderung als eine Frage mit: Was kann in meinem Leben noch wachsen? Vielleicht lohnt es sich auch hier, manchmal einen zweiten oder dritten Blick zu wagen.
Andreas Barzen
Gemeindereferent
Erntedank (Foto: Andreas Kröner, Pfarrbriefservice.de)
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