Maria Magdalena neu entdecken
Pfarrei Vallendar besucht eine außergewöhnliche Ausstellung im Frankfurter Städel-Museum
VALLENDAR. Zwölf Personen aus der Pfarrei Vallendar machten sich Samstag, 24. Oktober 2026, auf den Weg nach Frankfurt, um im Städel-Museum die Ausstellung „Maria Magdalena. Sin. Pray. Love.“ zu besuchen. Der Ausflug bot nicht nur die Gelegenheit, bedeutende Kunstwerke aus verschiedenen Epochen kennenzulernen, sondern auch, sich mit der Pfarrpatronin und einer der faszinierendsten Frauenfiguren der Bibel auseinanderzusetzen.
Die Ausstellung, die gemeinsam vom Städel-Museum und der Liebieghaus Skulpturensammlung gestaltet wurde, vereint mehr als 100 Gemälde, Skulpturen und Grafiken aus rund 1.000 Jahren Kunstgeschichte. Zahlreiche hochkarätige Werke und bedeutende Leihgaben aus internationalen Museen machen die Schau zu einem besonderen Kunsterlebnis. Dabei geht es nicht allein um die Darstellung einer Heiligen, sondern auch um die Frage, wie sich das Bild einer Frau durch religiöse Überlieferungen, gesellschaftliche Vorstellungen und künstlerische Interpretationen verändert.
Von der Apostelin zur Büßerin – und zur selbstbestimmten Frau
Im Neuen Testament begegnet Maria Magdalena als treue Anhängerin Jesu und als Zeugin seiner Auferstehung. In der christlichen Tradition wurde ihre Geschichte jedoch lange Zeit mit der Vorstellung einer reuigen Sünderin verbunden. Besonders die einflussreiche Deutung durch Papst Gregor den Großen trug dazu bei, verschiedene biblische Frauenfiguren miteinander gleichzusetzen. So entwickelte sich das Bild der büßenden Maria Magdalena, das die Kunst über Jahrhunderte prägte.
In vielen Werken erscheint sie zurückgezogen, in Meditation oder Gebet versunken, mit Zeichen der Vergänglichkeit und Reue. Andere Darstellungen betonen ihre Nähe zu Christus, ihre Trauer und ihre tiefe Spiritualität. Die Ausstellung macht diese unterschiedlichen Akzente anschaulich und zeigt, wie Künstlerinnen und Künstler ihre jeweilige Zeit, deren Glaubensvorstellungen und deren Verständnis von Weiblichkeit in die Bilder einfließen ließen.
Besonders spannend ist der Blick auf die Moderne und die Gegenwart. Zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler lösen sich von überlieferten Bildmustern und entwerfen neue Vorstellungen von Maria Magdalena. Sie erscheint als eigenständige Persönlichkeit, als selbstbestimmte Frau und als Identifikationsfigur, die auch heutige Fragen nach Rollenbildern, Freiheit und persönlicher Würde berührt.
(Teil 2 des Berichts folgt nach den Fotos)
Laurent de la Hyre: Noli me tangere, 1656, Musée de Grenoble
Antonio Novelli: Büßende Magdalena, 1649, Nationalmuseum Stockholm
Eine Führung, die Bilder zum Sprechen brachte
Für die Gruppe aus Vallendar wurde der Besuch durch eine hervorragende und kompetente Führung zu einem besonderen Erlebnis. An ausgewählten Werken erläuterte eine Museumsmitarbeiterin Hintergründe, erschloss symbolische Details und machte sichtbar, was sich auf den ersten Blick nicht immer erschließt. So wurden die verschiedenen Sichtweisen auf Maria Magdalena nicht nur erklärt, sondern unmittelbar an den Kunstwerken erfahrbar.
Die Teilnehmenden konnten entdecken, wie unterschiedlich ein und dieselbe biblische Figur interpretiert werden kann – und wie sehr diese Darstellungen auch Fragen ihrer jeweiligen Zeit widerspiegeln. Die Begegnung mit den Werken eröffnete neue Perspektiven auf Maria Magdalena und regte dazu an, vertraute Vorstellungen zu hinterfragen.
Neben der Sonderausstellung blieb Zeit für eigene Erkundungen. Einige nutzten die Gelegenheit, die Dauerausstellung des Städel-Museums zu besuchen oder im Museumscafé eine Pause einzulegen. Andere kehrten nach der Führung noch einmal in die Maria-Magdalena-Ausstellung zurück, um einzelne Werke in Ruhe zu betrachten und die Eindrücke zu vertiefen.
Den Abschluss bildete ein gemeinsames Essen in einem italienischen Restaurant. In geselliger Runde konnten die Erlebnisse des Tages ausgetauscht und die vielen Eindrücke nachklingen.
So verband die Fahrt nach Frankfurt Kunst und Glauben, historische Erkenntnisse und aktuelle Fragen sowie individuelle Betrachtung und gemeinschaftliches Erleben.
Die Ausstellung „Maria Magdalena. Sin. Pray. Love.“
ist noch bis zum 17. Januar 2027 im Städel-Museum zu sehen.
Während der Führung durch die Azsstellung. (Fotos: Kunert, Laskewicz, Pfaffenheuser)